24.03.2022 – Reuchlin – Hesse – Lindenberg . Toleranz – Respekt – Menschlichkeit

Reuchlin-Hesse-Lindenberg

Pforzheimer Zeitung vom 26.03.2022:

Kommentierte Lesung mit Musik zu Reuchlin, Hesse und Lindenberg.
Projekt „Hinterm Horizont macht Schule“ zum Abschluss gebracht.

Toleranz – Respekt – Menschlichkeit, diese drei humanistischen Begriffe waren nicht nur der Titel einer kommentierten Lesung mit Musik im Forum im Turmquartier der Sparkasse Pforzheim Calw als Beitrag zum Reuchlinjahr. Sie vereinen auch drei Persönlichkeiten, die in unterschiedlichen Zeiten und mit unter-schiedlichen Lebenszielen lebten beziehungsweise noch leben.
Vorstandsvorsitzender Stephan Scholl freute sich, ins ausverkaufte Haus blicken zu können, und begrüßte im Namen der Stiftung „Mit Herz und Hand“, dem Ausrichterin der Veranstaltung. Er stellte Regina Bucher, Leiterin des Hermann-Hesse-Muse-ums in Montagnola, und den Schauspieler Ernst Süss vor. In einer abwechslungsreichen Lesung mit jeder Menge originaler Texte stellten sie Reuchlin, Hesse und Lindenberg vor und in Beziehung zueinander. Mit einfühlsam und virtuos gespielter Blockflötenmusik entführte Helen Buck, Preisträgerin im Bundeswettbewerb Jugend musiziert, begleitet von Erika Shimoda am Cembalo, in die Zeit um 1500, in der Johannes Reuchlin (1455-1522) lebte und wirkte, der zu den wichtigsten europäischen Humanisten zählt.

Einsatz für Toleranz

Durch intensive Sprachstudien in Latein, Griechisch und Hebräisch erschloss er religiöse und philosophische Urtexte und schuf damit die Grundlagen für die Bibelübersetzung ins Deutsche. Reuchlin rief Christen, Juden und Muslime zum Dialog auf und setzte sich für Toleranz und friedliches Miteinander der Religionen ein.
Hermann Hesse (1877-1962) erlebte zwei Weltkriege im Schweizer Exil mit und erhob seine Stimme gegen Krieg und Nationalismus. Er leistete praktische Hilfe für Kriegsgefangene im Ersten Weltkrieg. In seinen Werken setzt er sich dafür ein, nicht automatisch den allgemeinen Strömungen zu folgen, sondern authentisch zu handeln. Früh erkannte er die diktatorische Gefahr der nationalsozialistischen Ideologie und half jüdischen Verwandten und Freunden, vertriebenen Künstlern und politisch Verfolgten. 1946 erhielt Hesse auf Vorschlag Thomas Manns den Nobelpreis für Literatur. Bekanntgeworden ist er aber auch mit seinen heiteren Aquarellen aus dem Tessin.
Udo Lindenberg (geboren 1947) ist eine lebende Legende und einer der ersten, der seit den 1970er-Jahren Rockmusik auf Deutsch singt. Er thematisiert gesellschaftliche Zu- und Missstände treffsicher und wortgenau. Er positioniert sich gegen Neonazis und bezieht als überzeugter Pazifist Stellung gegen soziale Missstände und wirtschaftliches Ungleichgewicht, gegen Homophobie sowie Fremdenfeindlichkeit und engagiert sich für Umweltschutz. Als Maler bringt er es mit seinen Likörellen zu einigem Ruhm. 2006 ruft er die Udo-Lindenberg-Stiftung ins Leben, die sich für die Schwächeren auf der Welt, aber auch für authentische junge Musikerinnen und Musiker engagiert.
Zum musikalischen Förderprogramm gehört auch das Schulprojekt „Hinterm Horizont macht Schule“, an dem in Pforzheim coronabedingt zweieinhalb Jahre bis zur Premiere diese Woche (PZ hat mehrfach berichtet) gearbeitet wurde, wie der musikalische Leiter Noah Fischer und die Regisseurin Regina Engstler erzählten. Ein Auftritt von Alexandru Gabor (Udo) und Giuliana Hardt und Jeanna Scheffner (beide Jenny) beschloss den interessanten Abend.

Uta Volz, PZ