25.04.2022 – Reuchlin mit einem Augenzwinkern

Pforzheimer Zeitung vom 25.04.2022:

Sie sind teils informativ, teils augenzwinkernd – und sie setzen sich mit Johannes Reuchlin auseinander. Die Arbeiten interpretieren Aspekte seiner Aussagen, Wirkungen und seiner fiktiven Porträts. Der Fotograf Günter Beck, Mitglied der Reuchlingesellschaft, zeigt derzeit Collagen im Obergeschoss der Buchhandlung Thalia in der Pforzheimer Fußgängerzone. Als Beitrag zum Reuchlinjahr, mit dem die Stadt an dessen 500. Todestag erinnert.
Die Ausstellung ist bis Samstag, 14. Mai, zu sehen. „Im Jubiläumsjahr hat die Anfrage von Günter Beck wunderbar gepasst. Ein Teil der Bilder soll darüber hinaus weiter in den Räumen von Thalia bleiben“, sagt Filialleiterin Erika Föst. Auf der eigentlichen Ausstellungsfläche stehen dann wieder Jahreskalender.
Auf manchen Fotocollagen bekommt Pforzheims berühmter Humanist einen ganz anderen, gar witzigen, frechen Charakter. Da finden sich verfremdete eigene Fotografien von Beck, aber auch Kupferstiche oder Skizzen aus dem Stadtarchiv. Ein Sechserbogen mit einer Sondermarke zum Reuchlinjahr – „wäre eine gute Idee gewesen“, so der lakonische Kommentar. Es gibt eine „Rätsel-Ecke“ und comic-hafte Collagen. Reuchlins Streitschrift „Augenspiegel“ greift Beck immer wieder motivisch auf. Flankiert wird die Schau
von einer großen Präsentation an Reuchlin-Literatur, Fachbüchern, Mono- und Biografien sowie passenden Titeln über Humanismus und die Region.
Beck, Jahrgang 1939, ist gebürtiger Pforzheimer. Nach der Zerstörung seiner Heimatstadt fand er mit seinen Eltern Unterschlupf in Wildbad, 1949 kehrte die Familie zurück.
Ausgebildet als Chemigraf und Fotolitograf, verbrachte Beck fünf Jahre in der Schweiz, in Salzburg und Rotterdam. Dann zog es ihn nach Pforzheim zurück. Bevor er sich 1968 selbstständig machte, war er bei Meyle+Müller beschäftigt. Schwerpunkte seiner Arbeit sind stadtgeschichtliche Dokumentationen sowie die Fotografie von Landschaft und Architektur in Pforzheim, dem Enzkreis und dem Nordschwarzwald – worüber es zahlreiche Bildbände gibt.

Michael Müller, PZ