27.04.2022 – Eine neue Aufklärung für die volle Welt 50 Jahre »Grenzen des Wachstums«

Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker beim Studium Generale

Pforzheimer Zeitung vom 29.04.2022:

Beitrag zum Reuchlinjahr: Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker spricht an Hochschule Pforzheim

Pforzheim. Die Grenzen des Wachstums sind erkannt. Wie wir damit umgehen müssen, das erfordert neue Denkweisen. Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker, Ehrenpräsident des Club of Rome, gehört zu den Pionieren der Umweltpolitik, die sich schon vor 50 Jahren mit diesem Thema auseinandersetzten. Sein brillanter, zutiefst erschreckender Vortrag im Studium Generale „Eine neue Aufklärung für die volle Welt – 50 Jahre Grenzen des Wachstums“ war ein Beitrag der Hochschule zum Reuchlinjahr.

Rektor Ulrich Jautz und die wissenschaftlichen Leiterinnen des Studium Generale, die Professorinnen Christa Wehner und Frauke Sander, begrüßten den Referenten im gut gefüllten Walter-Witzenmann-Saal.

Intellektuell auf höchstem Niveau, dabei gut strukturiert und verständlich, gab von Weizsäcker zunächst einen Rückblick, auf die immer wieder aktualisierten und mehr denn je aktuellen Erkenntnisse, die der Club of Rome erstmals 1972 veröffentlicht hatte. Industrie- und Nahrungsmittelproduktion, Bevölkerungswachstum, Umweltverschmutzung, und Ausbeutung der Ressourcen waren damals als verantwortlich für einen Kollaps der globalen Systeme ausgemacht worden. Der zuvor nachhaltig ausbalancierte Zustand der Welt hat sich seit den 1950er-Jahren komplett gedreht.

Von Weizsäcker beschrieb, wie die Interessen der Finanz- und Wirtschaftsmärkte, die in einer globalisierten Welt einzig auf Wachstum ausgerichtet sind, einer geänderten Technologie und Umweltpolitik entgegenstehen. Die Bemühungen Europas, Hauptverursacher der Umwelt- und Klimakrise, liefen ins Leere, solange sich dies nicht weltweit ändern lasse.

Neue Denkweisen zur Lösung des Problems könnten eine Rückbesinnung auf Balance in allen öffentlichen und privaten Lebensbereichen und auf Genügsamkeit sein, um den Menschen in der überfüllten Welt eine Zukunft zu ermöglichen. Bei allem Engagement des Einzelnen bedürfe es jedoch klarer Rahmenbedingungen durch die Politik.

Uta Volz, PZ