Die Vielfalt der Stadt in Szene gesetzt

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Pforzheimer Zeitung vom 19.09.2022:

Offizieller Auftakt der Interkulturellen Woche mit 30 Veranstaltungen.
Zugleich geht die Koki-Reihe „Die Mischung macht´s“ zu Ende.

Einen schöneren offiziellen Auftakt kann man sich für eine Interkulturelle Woche eigentlich nicht wünschen. Nach einem emotionalen Abend, der sicherlich nicht nur nach Meinung des Kulturhausleiters Bart Dewijze wieder einmal gezeigt hat, dass Musik verbindet, münden die Reaktionen des großen Publikums darin, dass es die Mehrheit jubelnd und im Takt klatschend von den Sitzen im Großen Saal des Osterfeld reißt.
Das italienische Temperament der Band „Clan Die Suoni“ hat sozusagen den Damm gebrochen. Der war vorher schon bröckelig, dafür sorgten musikalische Darstellungen von deutschen, arabischen, serbischen, türkischen Interpreten, Musik aus Nahost, Musik, die zu Herzen ging.
Die Eröffnung der Interkulturellen Wochen (IKW) – übrigens der 47. Deutschlandweit – die laut Bürgermeisterin Sibylle Schüssler in Pforzheim in einen ganzen interkulturellen Monat mündet, beinhaltete auch den Abschlussabend der Koki-Reihe „Pforzheim – Die Mischung macht´s revisited“, die Ende Juli den letzten Filmabend mit Büffet hatte.
Laut Christine Müh, Geschäftsführerin des Kommunalen Kinos, und der „Mischung“-Projektleiterin und Koordinatorin der IKW Mirzeta Haug kamen in den Filmen 27 Protagonisten zu Wort. Aus Zeit- und Geldmangel, so Müh, habe man allerdings keine neuen Filme drehen können, sondern alte aus den Jahren 2010/11 und 2017 gezeigt und die Protagonisten von damals erneut eingeladen, um zu fragen, wie es ihnen inzwischen ergangen ist. „Aus der Notsituation heraus ist etwa Wunderbares entstanden“, befand Projektleiterin Haug. Und oft hätten die Interviewten (mit und ohne Migrationshintergrund, die meisten aber mit) auch Moderatorentätigkeiten übernommen.
In kurzen und oft per Handy aufgenommenen Statements dankten die Teilnehmer und lobten das Projekt, durch das sie so viele nette Menschen kennengelernt hätten. Die aus Kolumbien stammende Margarete Horlbeck schwärmt. Sie habe jeden Abend mit ihrem Mann besucht und sich „in das Projekt verliebt“.
Knapp 30 Veranstaltungen machen auf die Vielfalt der Stadt mit ihren über 140 Nationen aufmerksam während der Interkulturellen Woche(n). Passend zum 500. Todestag des Humanisten Johannes Reuchlin, der in diesem Jahr begangen wird, und mehr als passend auch zum Motto dieses bundesweiten Projekts zitiert Bürgermeisterin Schüssler den Humanisten: „Erkundet das Fremde, zerstört es nicht.“ Auch Bart Dewijze, der die Migranten augenzwinkernd als Entwicklungshelfer bezeichnet, bringt ein passendes Beispiel. „Kultur sich anpassen, das funktioniert nicht. Wo zwei sich begegnen, da entsteht Neues.“

Susanne Roth, PZ